WELCHES BIKE PASST NUN ZU MIR?
Seien wir ehrlich:
Die wenigsten Motorradfahrer suchen sich ihr erstes Motorrad mit einer Tabelle aus. Meistens hat man am Anfang ein bestimmtes Bike im Kopf.
Vielleicht hast Du eines beim Händler stehen sehen.
Vielleicht fährt ein Freund genau dieses Modell.
Vielleicht bist Du einem Gang durch die Stadt daran vorbeigelaufen und konntest den Blick nicht mehr davon lösen.
Vielleicht bist Du auf dem Sozius eines Bikes gesessen und hast davon geträumt, es selbst einmal zu fahren.
Und so mancher Wiedereinsteiger kennt das vielleicht auch: Man erinnert sich an sein Motorrad von früher und sucht unbewusst wieder nach etwas, das dieses Gefühl zurückbringt.
So ähnlich ging es vielen von uns auch.
Doch bevor Du Dich endgültig entscheidest, lohnt sich eine zweite Frage:
- Was möchte ich eigentlich mit meinem Motorrad machen?
- Willst Du hauptsächlich Feierabendrunden auf Landstraßen fahren?
- Soll das Motorrad täglich zur Arbeit genutzt werden?
- Planst Du lange Touren mit Gepäck und vielleicht sogar mit Sozius?
- Oder soll es vor allem für kurze Ausfahrten, Eisdielen- und Kaffeefahrten da sein?
Denn nicht jedes Motorrad passt zu jedem Einsatzzweck.
Ein Motorrad kann wunderschön aussehen und trotzdem nicht das richtige für das sein, was Du damit vorhast. Und genauso kann ein Motorrad, das Du ursprünglich gar nicht auf dem Schirm hattest, am Ende perfekt zu Dir passen.

Erst wenn Du weißt, was Du fahren möchtest, kommt der nächste Schritt:
Geh zu einem Händler und setz Dich auf verschiedene Motorräder. Schau sie nicht nur mit den Augen an. Sondern mit dem ganzen Körper.
Spüre in Dich hinein.
- Kommst Du mit beiden Füßen sicher auf den Boden?
- Erreichst Du den Lenker entspannt mit leicht angewinkelten Armen?
- Fühlt sich die Sitzposition natürlich an?
- Kommst Du gut auf das Motorrad hinauf und wieder herunter?
- Kannst Du Dir vorstellen, mehrere Stunden darauf zu sitzen?
Achte dabei nicht nur darauf, was Deine Augen sagen. Achte vor allem darauf, was Dein Körper sagt. Denn Motorradfahren findet nicht nur im Kopf statt.
Dein Körper fährt immer mit. Wenn Du Dich auf einem Motorrad wohlfühlst, merkst Du das meist innerhalb weniger Minuten.
Und wenn nicht, dann meistens auch.
Neu oder gebraucht?
Du hast Dein Motorrad gefunden. Du hast Probe gesessen. Du fühlst Dich wohl darauf. Und am liebsten würdest Du sofort unterschreiben.
Aber jetzt kommt der Moment, den viele Motorradfahrer kennen:
Der Kassensturz.
Denn zum Motorrad gehören meist noch mehr Kosten als nur der Kaufpreis.
Helm, Schutzkleidung, Handschuhe, Stiefel, Versicherung, Steuer und manchmal auch das erste Zubehör haben oft schon einen Teil des Budgets verschlungen.
Deshalb lohnt es sich, noch einmal in Ruhe nachzurechnen: Was kann und möchte ich wirklich ausgeben?
Erst dann stellt sich die nächste Frage: Neu oder gebraucht?
Ein neues Motorrad bietet Garantie, moderne Technik und die Sicherheit, dass vor Dir niemand daran herumgeschraubt hat. Dafür ist es meist deutlich teurer.
Ein gebrauchtes Motorrad kann dagegen viel Motorrad fürs Geld bieten. Gerade für Einsteiger und Wiedereinsteiger kann das eine sehr interessante Möglichkeit sein.
Allerdings sollte man beim Gebrauchtkauf genau hinschauen.
- Wurde das Motorrad regelmäßig gewartet?
- Gibt es Rechnungen und Nachweise?
- Wie sieht der allgemeine Pflegezustand aus?
- Und macht der Verkäufer einen vertrauenswürdigen Eindruck?
Gerade für weniger erfahrene Käufer kann ein gebrauchtes Motorrad vom Händler oft die sicherere Wahl sein als ein Kauf von Privat.
Dafür bezahlt man meist etwas mehr, erhält aber häufig Gewährleistung und einen Ansprechpartner bei Problemen. Wichtig zu wissen ist hier, dass im ersten halben Jahr der Händler, im zweiten halben Jahr jedoch der Halter die Nachweispflicht hat.
Auch bei der Marke lohnt sich ein Blick über den Kaufpreis hinaus.
Motorräder etablierter Hersteller wie Honda, Yamaha, Suzuki, Kawasaki, BMW oder KTM haben oft eine gute Ersatzteilversorgung und große Werkstattnetze.
Bei kleineren oder sehr neuen Herstellern sollte man vorher prüfen:
- Wie sieht die Ersatzteilversorgung aus?
- Gibt es Werkstätten in meiner Nähe?
- Wie sind die Erfahrungen anderer Fahrer?
- Bekomme ich in einigen Jahren noch problemlos Ersatzteile?
Denn das schönste Motorrad nützt wenig, wenn später wichtige Teile nur schwer oder gar nicht erhältlich sind.
Am Ende gibt es nicht die eine richtige Entscheidung.

Informiere Dich, bevor Du kaufst
Egal, ob Du ein neues oder gebrauchtes Motorrad kaufen möchtest:
Nimm Dir vorher etwas Zeit für eine gründliche Recherche.
Heute findet man zu fast jedem Motorrad Erfahrungsberichte, Testberichte, Videos und Fahrerforen.
Nutze das.
Die großen Motorradzeitschriften testen jedes Jahr neue Modelle und berichten oft über Stärken, Schwächen und Besonderheiten.
Noch wertvoller sind häufig die Erfahrungen von Fahrern, die das Motorrad bereits über viele tausend Kilometer bewegt haben.
Dort erfährt man oft Dinge, die in einem Prospekt nicht stehen:
- Gibt es bekannte Schwachstellen?
- Wie zuverlässig ist das Motorrad im Alltag?
- Wie teuer sind Wartung und Ersatzteile?
- Gibt es Probleme, die immer wieder auftreten?
- Wie zufrieden sind die Besitzer langfristig?
Gerade bei weniger bekannten Herstellern lohnt sich außerdem ein Blick auf die Ersatzteilversorgung und das Werkstattnetz.
Denn das schönste Motorrad nützt wenig, wenn wichtige Ersatzteile nur schwer zu bekommen sind oder keine Werkstatt in der Nähe daran arbeiten möchte.
Natürlich findet man im Internet zu fast jedem Motorrad auch Kritik.
Deshalb sollte man einzelne Meinungen nicht überbewerten. Wenn jedoch viele Fahrer immer wieder dieselben Probleme beschreiben, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Gebrauchtes Motorrad kaufen
Ein gebrauchtes Motorrad ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Daher ist es immer ratsam, einen Bekannten – im Idealfall einen Schrauber – mit zur Probefahrt zu nehmen.
Gründliche Recherche vor dem Kauf kann später viel Geld, Zeit und Ärger sparen.
Je mehr Du über das Motorrad weißt desto besser kannst Du entscheiden, ob das Motorrad auch wirklich zu Dir passt.
🎥 Gebrauchtkauf Vorbereitung und erste Sichtprüfung
Was sollte man beim Begutachten eines gebrauchten Motorrades prüfen`
🎥 Gebraucht kaufen – Verschleißteile-Check und Probefahrt
Versicherung, Steuer und laufende Kosten
Beim Kaufpreis hört es leider nicht auf.
Zu jedem Motorrad gehören auch laufende Kosten, die man von Anfang an mit einplanen sollte:
- Versicherung
- Kfz-Steuer
- Wartung
- Reifen
- Bremsen
- Kette und Verschleißteile
- TÜV
Gerade Einsteiger konzentrieren sich oft auf den Kaufpreis und vergessen, dass das Motorrad auch nach dem Kauf Geld kostet.
Deshalb lohnt sich ein ehrlicher Kassensturz:
Was kostet mich das Motorrad nicht nur heute, sondern pro Jahr?
Auch bei der Versicherung sollte man nicht nur auf den günstigsten Beitrag schauen.
Bei einem neuen Motorrad ist eine Vollkaskoversicherung oft eine sinnvolle Überlegung.
Bei einem gebrauchten Motorrad lohnt sich aus unserer Sicht mindestens eine Teilkasko.
Denn Schäden am Glas, Wildschäden, Diebstahl, Sturm-, Hagel- oder Brandschäden können schnell teuer werden. Manchmal reicht schon ein einziges Ereignis aus, damit sich die Versicherung über viele Jahre gerechnet hat.
Am Ende geht es nicht darum, möglichst billig Motorrad zu fahren. Sondern darum, die Kosten realistisch einzuschätzen, damit der Fahrspaß nicht von unangenehmen Überraschungen ausgebremst wird.
Wichtig ist, dass Motorrad, Budget und Einsatzzweck zusammenpassen.
Dann beginnt der Fahrspaß meist schon bei der ersten Tour.
